Für die meisten Touristen mag der Name „Giethoorn“ zunächst nicht viel bedeuten. Erwähnt man jedoch „Venedig“, wird das Bild schon klarer: in den Niederlanden ist das Dorf als das „Venedig des Nordens“ bekannt. Im Gegensatz zu seinem berühmten italienischen Pendant ist die Atmosphäre hier jedoch weitaus ruhiger und ländlicher. Anstelle von prachtvollen Plätzen und historischen Palästen findet man hier kleine Holzbrücken, Kanäle, gepflegte Gärten und bezaubernde Häuser mit Reetdächern. Autos sind zwar nicht strikt verboten, aber auf den Ortsrand beschränkt, da der historische Viertel von seinen Kanälen geprägt ist. Der „Binnenpad“ – ein Fußweg, der sich zwischen Häusern, Gärten und Wasserwegen hindurchschlängelt – fungiert sozusagen als „Hauptstraße“ des Dorfes.
Wie gelangt man nach Giethoorn ?
Nur wenige Kilometer von Amsterdam und dessen internationalem Flughafen entfernt – und sowohl über die Straße als auch über den Wasserweg gut erreichbar – entwickelt sich Giethoorn zu einem immer besser zugänglichen Reiseziel. Für eine bequeme Anreise bietet sich beispielsweise ein privates Taxi mit Fahrer an. Vor Ort lässt sich die Gegend am besten – wie könnte es anders sein – mit dem Boot erkunden.
Die Kanäle verleihen der gesamten Landschaft ihren einzigartigen Charakter; eine Bootsfahrt eröffnet eine völlig neue Perspektive auf die Häuser und Brücken. Ein besonders typisches Erlebnis ist eine Fahrt mit einem sogenannten „Flüsterboot“ – einem kleinen, extrem leisen Elektroboot, das man selbst steuern kann. Alternativ kann man an einer geführten Bootstour teilnehmen – eine komfortable Option für alle, die lieber den Erklärungen eines Reiseleiters lauschen, anstatt sich selbst um die Navigation kümmern zu müssen. Wer eine Bootsfahrt plant, findet im „Giethoorn Center“ mitten im Dorf einen idealen Ausgangspunkt. Zudem gibt es zahlreiche Anbieter, die auf die Vermietung von Elektrobooten spezialisiert sind – fragen Sie einfach nach!
Die Geschichte des Dorfes
Giethoorn ist weit mehr als nur ein malerischer Ort; auch ein Blick auf seine Geschichte lohnt sich allemal . Um in die Vergangenheit des Dorfes einzutauchen, empfiehlt sich ein Besuch des Museums „’t Olde Maat Uus“, das in einem traditionellen Bauernhaus untergebracht ist. Das Museum dokumentiert das Leben der Bewohner von Giethoorn und beleuchtet, wie das Dorf durch seine enge Verbindung zu Wasser, Torf und Landwirtschaft geprägt wurde. Ein Besuch ist besonders lohnenswert, da er dazu anregt, Giethoorn nicht nur als reines Touristenziel zu betrachten, sondern als eine Gemeinschaft mit einer langen und ereignisreichen Geschichte.
Giethoorn wurde im 13. Jahrhundert von Flüchtlingen gegründet, die einer Glaubensgruppe namens „Flagellanten“ (Geißler) angehörten und in dieser rauen, sumpfigen Umgebung einen sicheren Zufluchtsort fanden. Durch die Nutzung der Torfmoore und die Haltung von Ziegen – der Name des Dorfes bedeutet übersetzt tatsächlich „Ziegenhorn“ – konnten sie dort überleben und eine Lebensgrundlage aufbauen. Im 20. Jahrhundert erlangte das Dorf internationale Bekanntheit, als es 1958 als Drehort für einen Film unter der Regie von Bert Haanstra diente.
Sehenswertes im Dorf
Bei einer Bootsfahrt auf der Dorpsgracht – dem Hauptkanal von Giethoorn – gleiten Sie unter den charakteristischen Brücken hindurch und an traditionellen Häusern vorbei. Vom Ortskern aus gelangen Sie zudem in offenere Gebiete mit Seen und Kanälen, die inmitten der Natur liegen. Neben dem ortshistorischen Museum gibt es im Dorf auch das „Museum De Oude Aarde“, das sich Mineralien, Kristallen, Fossilien und Edelsteinen widmet. Die kleinen Häuser, die malerische Kirche und die Gärten tragen allesamt zum Charme des Dorfes bei.
Die eigentliche Überraschung wartet jedoch direkt außerhalb des Ortskerns. Giethoorn liegt innerhalb eines Nationalparks, dessen zahlreiche Wege direkt vom Dorf aus erkundet werden können. Der Nationalpark Weerribben-Wieden zählt zu den bedeutendsten Feuchtgebieten der Niederlande. Die Landschaft umfasst Seen, Kanäle, Teiche, Schilfgebiete, Feuchtwiesen und Torfmoore – insgesamt 10.000 Hektar Wasserwildnis! Die fast überall anzutreffenden Schilfflächen sind das eigentliche Wahrzeichen des Parks. Das Gebiet lässt sich nicht nur mit dem Boot, sondern auch mit dem Fahrrad sowie auf Holzstegen und schmalen Pfaden entdecken. Es ist ein hervorragender Ort zur Vogelbeobachtung: Hier lassen sich zahlreiche Vogelarten sichten – und mit etwas Glück sogar scheuere Tiere wie der Fischotter.
Blokzijl und die „Wasserdörfer“
In der Umgebung von Giethoorn gibt es weitere kleine, ähnliche Ortschaften, die einen Besuch wert sind. Besonders sehenswert ist Blokzijl, eine alte Hafenstadt, deren Geschichte eng mit der Zuiderzee verknüpft ist. Der Ortskern bewahrt eine ganz eigene Atmosphäre – mit historischen Gebäuden und einem Hafen, der an die einstige Bedeutung der Stadt als Handelsplatz erinnert. Weitere Ziele in der Region sind beispielsweise Vollenhove, Sint Jansklooster, Wanneperveen, Belt-Schutsloot, Kalenberg, Ossenzijl und Oldemarkt – vielleicht weniger bekannt, aber ebenso charmant und zauberhaft.
Rund um Giethoorn
Etwa 10 Kilometer von Giethoorn entfernt liegt Steenwijk. Die Stadt besticht durch elegante Gebäude, wie etwa die Villa Rams Woerthe – eine Residenz im Jugendstil, die von einem weitläufigen Park umgeben ist. Amsterdam ist in einer Stunde bequem mit dem Auto zu erreichen und definitiv einen Besuch von mindestens einem halben Tag wert! Utrecht liegt etwas weiter entfernt, und die faszinierende Stadt Groningen befindet sich 93 km von Giethoorn.
Für Naturliebhaber gibt es rund um Giethoorn zahlreiche Möglichkeiten! Die Wälder Woldberg und Landgoed De Eese bieten Wege, die sich hervorragend zum Wandern und Radfahren eignen. Im etwa 16 Kilometer entfernten Marknesse liegt der Waterloopbos – ein einzigartiger Park, in dem verschiedene maßstabsgetreue Modelle erhalten geblieben sind, die einst zur Untersuchung wasserbaulicher Projekte dienten. In Luttelgeest befindet sich „Pantropica“, eine große tropische Innenanlage mit Gärten, Schmetterlingen und naturnahen Bereichen – ein ideales Ausflugsziel für Familien. In Kallenkote können Sie zudem „Taman Indonesia“ besuchen, einen kleinen zoologischen und kulturellen Park, der ganz im Zeichen Indonesiens steht.
Planung des idealen Aufenthalts
Obwohl man Giethoorn an einem einzigen Tag besichtigen kann, ermöglicht eine Übernachtung, die besondere Atmosphäre des Dorfes intensiver aufzunehmen und mehr Zeit für die Erkundung der Naturlandschaft zu haben. Ein idealer Ablauf könnte mit einem morgendlichen Spaziergang durch den historischen Ortskern beginnen, gefolgt von einer Fahrt mit einem „Flüsterboot“ durch die Kanäle. Nach dem Mittagessen lässt sich der Nachmittag wunderbar mit einer Radtour oder der Erkundung des Gebiets Weerribben-Wieden verbringen.
Am nächsten Tag könnten Sie Blokzijl, Steenwijk oder andere kleine Orte in der Umgebung besuchen – oder sogar einen Ausflug in eine der größeren Städte in der weiteren Region unternehmen.
Letztendlich ist Giethoorn weit mehr als nur ein malerisches, fotogenes Dorf. Die Kanäle, die reetgedeckten Häuser und die Holzbrücken bilden lediglich den Ausgangspunkt, um eine Region zu entdecken, die von Wasser, Natur, charmanten historischen Ortskernen und zahlreichen Radwegen geprägt ist. Am besten lässt sich die Gegend durch eine Kombination aus Bootsfahrten, Radtouren und Spaziergängen erkunden – wobei Sie zudem jederzeit auf Ihr komfortables Privat-Taxi samt Chauffeur zurückgreifen können, um auch Ziele weit jenseits der Grenzen dieses „kleinen Venedigs“ zu entdecken.
