Bis vor Kurzem konzentrierte sich der marokkanische Tourismus auf Strände, traditionelle Märkte, die Wüste und Museen. Dieses sagenumwobene nordafrikanische Königreich, in dem Mosaike und Gold auf moderne Städte und bescheidene Dörfer treffen, bot Küsten mit Blick auf das Mittelmeer im exotischsten Urlaubsstil und hielt gleichzeitig vieles verborgen. Heute verlagert sich der Tourismus nach Westen – in eine noch wildere, aber gerade deshalb faszinierendere Region Marokkos: das Atlasgebirge. Abseits der klassischen Metropolen Casablanca und Marrakesch, die gewissermaßen die „Hauptstädte“ des Hohen Atlas sind, begeben sich Reisende auf die Suche nach geheimnisvollen und unberührten Winkeln.
Das Atlasgebirge
Das Atlasgebirge bildet einen gigantischen Felsbogen, der den Sand der Sahara zurückhält und verhindert, dass er ins Meer gespült wird. Es durchquert drei Länder – Tunesien, Algerien und Marokko – und erreicht seinen höchsten Gipfel in Marokko: den majestätischen Jebel Toubkal mit 4.167 Metern über dem Meeresspiegel. Die Region um den Toubkal wird Hoher Atlas genannt. Zu ihren touristischen Zentren zählen die Städte Marrakesch mit dem internationalen Flughafen (RAK) und Ouarzazate.
Der Hohe Atlas, auch Atlas al-Kabir genannt, ist im Winter monatelang schneebedeckt und bietet zwischen Januar und April Landschaften, die in einem Maghreb-Land unvorstellbar sind. Ja, man kann in Marokko sogar Ski fahren! Und das ist noch nicht alles. Aus diesen Bergen entspringen Marokkos wichtigste Flüsse wie der Muluia, der Sebou und der sehr lange Draa sowie mehrere Wadis – saisonale Wasserläufe.
Wer Marokkos Hochgebirge erkunden möchte, muss zwar auf ein paar Tage am Strand und ein paar Stunden Shopping in den Souks verzichten. Doch es lohnt sich, einzigartige Landschaften und Orte zu entdecken. Und das, obwohl es dort nie überlaufen ist!
Naturrouten in den Bergen
Die wunderschönen Dadès-Schluchten, fünf Autostunden von Marrakesch und nur zweieinhalb Stunden von Ouarzazate entfernt, wurden vom Dadès-Fluss geformt und bieten je nach Route abwechslungsreiche Landschaften. Kalkstein, Mergel und Sandstein wechseln sich an den Ufern ab und formen dank der langsamen Erosion des Wassers atemberaubende Skulpturen. Insgesamt gibt es vier Schluchtenreihen, die über kurvenreiche und extrem gefährliche Straßen erreichbar sind! Am spektakulärsten ist die Straße, die hinauf zur großen Tissadrine-Schlucht führt.
Ein weiteres Wunder dieser Berge ist der Todra-Canyon (drei Autostunden von Ouarzazate entfernt), der im Laufe der Jahrhunderte vom Todra-Fluss zwischen roten Felsen geformt wurde. Die Pfade schlängeln sich durch das Tal und vermitteln das Gefühl, durch die Tiefen der Erde zu wandern! Die Wände erreichen tatsächlich eine Tiefe von 160 Metern und stehen nur 10 Meter voneinander entfernt!
Der mächtige Toubkalberg ist zwei Autostunden von Ouarzazate entfernt. Obwohl es der höchste Berg ist, ist er dank der vielen Maultierpfade, die die Einheimischen seit Jahren nutzen, heute leicht zu besteigen. Die Wanderung beginnt üblicherweise in Asnii mit Zwischenstopps in Imlil und der Toubkal-Hütte auf 3.000 Metern Höhe.
Verpassen Sie nicht die Ouzoud-Wasserfälle, einen dreistufigen Wasserfall – 150 km von Marrakesch entfernt.
Kulturelle Routen
Der Hohe Atlas ist das Land der Berber, eines uralten Volkes, das – kulturell gesehen – die arabische Invasion über die Jahrhunderte überstanden hat. Ein Besuch der Berberdörfer, beispielsweise im letzten Abschnitt der Dadès-Schlucht oder in der Provinz Ouarzazate, ermöglicht es Ihnen, die herzliche Gastfreundschaft der einfachen Menschen hautnah zu erleben – weniger glamourös, aber dafür authentischer.
Ouarzazate mit seinen mächtigen Mauern und perfekt erhaltenen mittelalterlichen Türmen liegt an der Grenze zwischen dem Atlasgebirge und der Sahara. Es ist ein grandioses Monument an sich, nicht zuletzt, weil es als Kulisse für Tausende von Filmen diente. Nicht umsonst beherbergt es ein Filmmuseum und Filmstudios im Hollywood-Stil sowie Schätze wie die Kasbahs Taourit und Tifoultote. Nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt liegt das prächtige „Tal der Rosen“, wo im Frühling der Duft der Rosen die Luft erfüllt!
Ein absolutes Muss in der Region ist die Schloss von Ait-Ben-Haddou. Es handelt sich eigentlich um eine befestigte Stadt, die sich fast zylindrisch um die alte Festung (qasr) aus dem 11. Jahrhundert schmiegt. Ait-Ben-Haddou ist nicht nur wegen der Schönheit seines historischen Zentrums, einem Labyrinth aus roten Häusern, das im Sonnenuntergang wie ein steinernes Feuer erstrahlt, ein absolutes Muss, sondern auch wegen der atemberaubenden Aussicht vom Gipfel. Die marokkanische Ebene und die schneebedeckten Gipfel des Atlasgebirges in der Ferne sind wahrhaft spektakulär!
Skifahren in Marokko
Nur zwei Autostunden von Marrakesch (vier von Ouarzazate) entfernt liegt das nordafrikanische Skiparadies! Das Städtchen Oukaimden mit seinen gerade einmal 4.000 Einwohnern ist das wichtigste Skigebiet in diesem Teil des afrikanischen Kontinents. Die Pisten (insgesamt 10 km) erstrecken sich zwischen 2.600 und 3.262 Metern über dem Meeresspiegel und sind in die Schwierigkeitsgrade leicht, mittel und sehr professionell unterteilt. In Oukaimden können Sie alle Arten von Wintersport genießen und neben dem Schnee auch den Sternenhimmel bewundern. Nachts ist die Aussicht hier so atemberaubend, dass eine Sternwarte errichtet wurde, die ebenfalls für Touristen geöffnet ist.
