Der Klimawandel zwingt uns bisweilen dazu, neue Traditionen zu schaffen, die sich mit jahrhundertealten Bräuchen verbinden – wie etwa der Weinlese. Die Praxis der Weinlese bei Nacht verbreitet sich im gesamten Mittelmeerraum zunehmend. Dies geschieht nicht nur, um der oft bis in den September hinein anhaltenden, extremen Sommerhitze zu entgehen, sondern auch, um das Erntegut zu schützen. Die nächtliche Lese hat sich in Italien, Griechenland sowie Teilen Frankreichs und Spaniens zu einer beliebten neuen Tradition entwickelt. Dank ihres romantischen und einzigartigen Charakters gewinnt sie auch für den Tourismus an Bedeutung und bietet Urlaubern, die gerne selbst mit anpacken, ein besonderes Erlebnis.
Wo die Weinlese bei Nacht stattfindet
Die nächtliche Weinlese wird in verschiedenen europäischen Weinbaugebieten praktiziert, insbesondere in Regionen, die durch heiße Sommer und starke Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht geprägt sind.
Sie können dieses Erlebnis unter anderem in Frankreich – vor allem in der Provence (Flughafen Nizza – NCE oder Flughafen Marseille) –, in Spanien in der Region südlich von Barcelona (Flughafen El Prat – BCN) und natürlich auf der griechischen Insel Santorin (Flughafen JTR) genießen. In Italien ist die nächtliche Lese besonders in den südlichen Regionen verbreitet, wo die Tagestemperaturen während der Erntezeit zu hoch sind. Sizilien, Apulien und Sardinien sind Beispiele für Gebiete, in denen die klimatischen Bedingungen eine Ernte in den kühleren Stunden vorteilhaft machen. In jüngster Zeit hat man auch in den Regionen Venetien und Trentino-Südtirol mit der nächtlichen Lese begonnen.
Auf Sizilien ist diese Praxis Teil einer unglaublich vielfältigen Weinbaulandschaft. Von Weinbergen mit Blick auf das Mittelmeer bis hin zu hügeligen und bergigen Lagen kann der Erntezeitpunkt je nach Höhenlage, Rebsorte und Mikroklima stark variieren. Zu den idealen Orten, um dieses Ereignis zu erleben, gehören die Gegend um Palermo (Flughafen Falcone-Borsellino) und die Region am Ätna (Flughafen Catania).
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Wie läuft eine Weinlese bei Nacht eigentlich ab?
Bei der Nachtlese werden die Trauben am Abend, in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden geerntet, wenn sowohl die Luft- als auch die Traubentemperatur niedriger sind als während der Tageshitze. Sie findet üblicherweise zwischen August und September statt. Es geht dabei nicht nur um eine zeitliche Verschiebung der Ernte; die Nachtlese kann eine bewusste technische Entscheidung sein, die auf der Traubenqualität und den Bodeneigenschaften basiert.
Einige Weingüter lesen die Trauben von Hand unter Verwendung traditioneller Kisten und Werkzeuge, während andere mechanische Erntemaschinen einsetzen, die mit Beleuchtungssystemen für den Nachteinsatz ausgestattet sind. Der Zeitpunkt hängt von der Rebsorte, dem Reifegrad, den Wetterbedingungen und den spezifischen Zielen des Weinguts bei der Weinbereitung ab. Der Ablauf ähnelt dem einer herkömmlichen Ernte, erfordert jedoch eine spezielle Organisation. Vor der Ernte wird der Weinberg begangen, um den Reifegrad der Trauben zu überprüfen. Analysen und Verkostungen der Trauben ermöglichen die Beurteilung wichtiger Parameter wie Zuckergehalt, Säure und phenolische Reife. Sobald der optimale Zeitpunkt bestimmt ist, kann die Arbeit nach Sonnenuntergang beginnen.
Bei der Handlese wählen die Erntehelfer die Trauben direkt am Rebstock aus und legen sie in kleine Kisten, wobei sie darauf achten, die Beeren nicht zu zerdrücken. Dies ist besonders wichtig, da in den Trauben nach der Ernte natürliche chemische Veränderungen einsetzen. Hohe Temperaturen und lange Wartezeiten können Oxidation oder unerwünschte Gärprozesse begünstigen.
Im Gegensatz dazu bewegen sich bei der mechanischen Nachtlese Maschinen durch die Rebzeilen, ernten die Beeren und trennen sie von den Pflanzenteilen. Anschließend werden die Trauben schnell zur Weiterverarbeitung ins Weingut transportiert. Künstliche Beleuchtung ermöglicht ein sicheres Arbeiten auch in der dunkelsten Zeit, während die niedrigeren Temperaturen dazu beitragen, die Trauben während der Ernte in optimalem Zustand zu halten.
Vorteile der Weinlese bei Nacht
Der Hauptgrund für die Weinlese bei Nacht ist die Temperatur.
An Sommertagen – insbesondere in Süditalien, Griechenland oder Spanien – können die Temperaturen in den Weinbergen sehr hoch ansteigen. Die Lese in den kühleren Stunden reduziert die Wärme, die die Trauben bei ihrer Ankunft im Weingut mitbringen. Dies ist besonders vorteilhaft für die Herstellung von Weißweinen, Rosés und Schaumweinen, bei denen der Erhalt von Frische und Aromen entscheidend ist.
Bei niedrigeren Temperaturen geerntete Trauben benötigen zudem weniger Energie, um vor der Verarbeitung heruntergekühlt zu werden. Dies ermöglicht dem Weingut ein schnelleres Handeln und verkürzt die Zeitspanne zwischen Lese und Verarbeitung. Ein weiterer Vorteil betrifft den Aromenerhalt: Niedrigere Temperaturen verlangsamen oxidative Prozesse und bewahren die in den Trauben enthaltenen Aromastoffe besser.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die nächtliche Weinlese nicht automatisch einen besseren Wein garantiert. Die Endqualität hängt von zahlreichen Faktoren ab: Rebsorte, Gesundheitszustand der Trauben, Reifegrad, Witterungsbedingungen, Erntemethoden, Transport und den Techniken der Weinherstellung.
Die nächtliche Weinlese als touristisches Erlebnis
Neben den technischen Aspekten kann die nächtliche Weinlese auch ein einzigartiges Erlebnis im Weintourismus darstellen. Die Teilnahme an der Lese nach Sonnenuntergang ermöglicht es, den Weinberg auf ganz neue Weise zu erleben. Mit dem Untergang der Sonne wandelt sich das Bild der Reben: Kühlere Temperaturen, der Duft der Trauben und eine sanfte Beleuchtung machen die Ernte zu einem besonderen, multisensorischen Ereignis.
Die nächtliche Weinlese ist ein faszinierendes Erlebnis, das es ermöglicht, die Welt des Weins in einer stimmungsvollen und ungewöhnlichen Umgebung zu entdecken. Die Teilnahme an der Lese schafft eine direkte Verbindung zu den landwirtschaftlichen Traditionen der Region. Besucher werden Teil der Familie – oder des Teams des Weinguts –, die die Ernte organisiert; sie lernen von den erfahrenen Händen älterer Winzer und arbeiten Seite an Seite mit den anderen Teilnehmern, wobei sie denselben Zeitplan und denselben Adrenalinkick teilen. Touristen können die Trauben sogar selbst lesen und dabei die Techniken der Winzer erlernen, während sie Geschichten über die Geschichte des Weinguts und den Prozess der Weinherstellung hören. Abgerundet wird das Erlebnis oft durch eine Führung durch das Weingut, bei der die Besucher die ersten Schritte der Verwandlung von der Traube zum Wein kennenlernen. Nach Abschluss der Lese unterstreicht eine Verkostung lokaler Weine in Kombination mit regionalen Spezialitäten die Verbindung zwischen Wein, Gastronomie und der lokalen Landschaft.
Manchmal wird der Abend zudem durch Musik, Sternenbeobachtung oder eine Verkostung direkt zwischen den Reben bereichert. Tatsächlich organisieren viele Weingüter besondere Veranstaltungen rund um die Weinlese, die unter anderem Abendessen, informative Führungen, Konzerte inmitten der Reben sowie Feiern lokaler Traditionen umfassen. Ganz gleich, wo im Mittelmeerraum man dieses Erlebnis genießt – es steht für eine Form des Erlebnistourismus, der Natur, Kultur und Geselligkeit miteinander verbindet und den Besuchern eine authentische, tiefgehende Erinnerung an die Weinbauregion beschert.
