Die Insel Vulcano trägt ihren Namen nicht etwa, weil sie einen Vulkan in ihrem Inneren birgt; im Gegenteil: Genau dieser Insel verdanken feuerspeiende Berge ihre Bezeichnung als „Vulkane“. Auf den ersten Blick – so flach und niedrig gelegen – würde man es kaum vermuten, doch es handelt sich um einen mächtigen Vulkan. Die Tatsache ist jedoch, dass er – zum Glück! – lange Ruhephasen hat und nur selten erwacht. Der letzte Ausbruch liegt im 19. Jahrhundert zurück, doch auch in der Zwischenzeit hält die Aktivität in Form von Fumarolen, Gasaustritten und brodelndem Schlamm an. Genau dieser Schlamm wird von den Einheimischen seit Jahrtausenden zur Linderung von Beschwerden und zur Gesundheitsförderung genutzt: die Thermalbäder von Vulcano.
Die Insel der Toten, die den Lebenden Heilung bringt
In der Zeit der alten Griechen hieß es, Hephaistos – der Gott des Feuers (später im Lateinischen als „Vulcanus“ bekannt) – lebe und arbeite tief im Erdinneren der Insel Vulcano. Die Anwesenheit des „göttlichen Schmieds“ mit seinen Feuern, Dämpfen und unterirdischen Hammerschlägen flößte den Menschen Angst ein, und früher wollte niemand auf der Insel leben.
Später galt sie als „Tor zur Hölle“; deshalb wurden dort die Leichname Verstorbener – insbesondere von Feinden oder unerwünschten Personen – beigesetzt oder verbrannt. Manche vollzogen auf der Insel sogar Reinigungsrituale, um sicherzustellen, dass die Seelen der Toten auf ihrem Weg von ihren Sünden reingewaschen wurden.
Erst im 6. Jahrhundert, unter König Theoderich, erhielt Vulcano seine ersten Bewohner (politische Gefangene). Echtes Leben kehrte erst um das Jahr 1000 auf die Insel ein, als sie dem Kloster von Lipari gestiftet wurde und Mönche begannen, das Land zu bewirtschaften. Sie waren es, die das Potenzial der brodelnden Schlammtümpel erkannten, die bis dahin von allen gemieden worden waren. Erst im 19. Jahrhundert ließen sich die ersten Bauern und Hirten auf der Insel nieder, während Touristen erst ab 1950 kamen. Heute sind Thermal- und Wellnessanwendungen der wichtigste Motor für den Tourismus auf Vulcano. Schließlich kommen die Menschen heute nicht mehr hierher, um zu sterben, sondern um zu genesen und besser zu leben!
Schlamm von Vulcano: warum ist er so wohltuend?
Vulcano ist eine Insel, die aus zwei Vulkanen entstanden ist. Der größte ist der Monte della Fossa (386 Meter); die kleinere Erhebung Vulcanello (123 Meter hoch) entstand im 2. Jahrhundert n. Chr. daneben. Im Laufe der Zeit verbanden sich die beiden Vulkane durch die Bildung einer langen Sand-Landbrücke (Isthmus) zu einer einzigen Landmasse. Es gibt zudem einen dritten, heute erloschenen Vulkan – den Monte Aria (500 Meter) –, aus dem die heutigen Vulkane vermutlich hervorgegangen sind oder der zumindest als Ursprung für die entstandenen Seitenkrater diente. Der letzte große Ausbruch des Monte della Fossa ereignete sich in den Jahren 1888 bis 1890.
Das Schlammbad befindet sich zwischen Vulcano und Vulcanello, direkt am Beginn der Landbrücke, die die beiden großen Krater verbindet. Aus diesen natürlichen, frei zugänglichen Becken sprudelt schwefelhaltiger, gräulicher Schlamm empor. Er wirkt wohltuend auf Haut und Knochen, indem er Gelenkbeschwerden, Rheuma sowie die Nachwirkungen von Knochenbrüchen, Verstauchungen und Muskelzerrungen lindert. Auch die vom Schlamm freigesetzten Dämpfe helfen bei Atemwegsproblemen, wenngleich sich die „Fumarolen“ der Insel hierfür noch besser eignen. Neben den Schlammbädern und Fumarolen zählen zu den kostenlosen Thermalbereichen auf Vulcano auch „Acque Calde“ („Heiße Gewässer“); dabei handelt es sich um einen Strandabschnitt, an dem das Meerwasser durch vulkanische Quellen angenehm erwärmt wird und sprudelt.
Wer Vulcano besucht, kann diese Thermalbereiche frei und ohne Einschränkungen oder Eintrittsgebühren nutzen. Sollten Sie jedoch eine spezielle medizinische Behandlung verfolgen, empfiehlt es sich, das Baden im Freien mit professionellen, kostenpflichtigen Anwendungen zu kombinieren, wie sie von den Einrichtungen angeboten werden, die das Quellwasser nutzen.
Vulcano: die Insel in vollen Zügen genießen
Die Insel Vulcano, Teil des Äolischen Archipels, ist ein ideales Reiseziel für Liebhaber von Natur, Meer und spektakulären Landschaften. Obwohl die Insel vor allem für ihre geothermische Aktivität bekannt ist, kommt hier gewiss keine Langeweile auf; das Entspannen in den warmen Schlammbädern ist bei Weitem nicht die einzige Freizeitbeschäftigung.
Zu den lohnendsten Erlebnissen zählt die Wanderung hinauf zum „Gran Cratere della Fossa“, dem Gipfel des Hauptvulkans der Insel. Der Weg – der durchaus anspruchsvoll ist und sich am besten für aktive, begeisterte Wanderer eignet – führt zu einem Aussichtspunkt, der einen atemberaubenden Blick auf das Meer und die übrigen Äolischen Inseln bietet. Unterwegs können Sie markante Vulkanlandschaften und Fumarolen bestaunen, die von der geothermischen Aktivität der Erde zeugen.
Vulcano besticht zudem durch wunderschöne Strände, wie etwa die „Spiaggia delle Acque Calde“ – ideal zum Entspannen und Schwimmen – sowie die ruhigere, abgeschiedenere „Spiaggia del Gelso“ inmitten der Natur. Auch die markanten Felsformationen und Buchten der Insel, die vom Meer aus zugänglich sind, sind einen Besuch wert; ein Bootsausflug ist neben Tauchen und ausgedehnten Spaziergängen eine ideale Aktivität.
Schließlich sollten Sie unbedingt die lokale Küche probieren – mit Gerichten aus frischem Fisch, Kapern, traditionellen sizilianischen Zutaten und äolischen Weinen –, die in den Trattorien der Inselorte (Vulcano Piano, Vulcano Porto, Lentìa und Vulcanello) serviert wird.
Anreise und Fortbewegung auf der Insel
Die günstigsten Flughäfen für die Anreise zu den Äolischen Inseln – ausgehend von den Fährterminals in Milazzo, Reggio Calabria oder Messina – sind zweifellos Reggio Calabria (REG) und Palermo (PMO); auch eine Landung in Catania Fontanarossa (CTA) ist möglich, wenngleich dies eine zweistündige Autofahrt über die Autobahn mit sich bringt.
Dank unseres privaten Chauffeurservices gestaltet sich die Fahrt von jedem der drei Flughäfen zu den Abfahrtspunkten der Fähren zu den Äolischen Inseln einfach und entspannt. Unsere Fahrer sind kompetente Einheimische, die Ihnen unterwegs auch hervorragende Tipps für Besichtigungen geben können.
Am Hafen angekommen, setzen Sie mit dem Tragflügelboot oder der Fähre nach Vulcano über. Auf der Insel können Sie sich problemlos zu Fuß oder mit kleinen lokalen öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen. Dank der Nähe zu Lipari und Salina lassen sich Tagesausflüge zu diesen Nachbarinseln leicht per Tragflügelboot oder Privatboot organisieren.
Bitte beachten! Wichtige Informationen
Die Schlammbäder werden gelegentlich für Sicherheitsüberprüfungen geschlossen. In solchen Zeiten kann das Thermalbad für einige Wochen nicht zugänglich sein. Es empfiehlt sich, bei der örtlichen Touristeninformation Pro Loco anzurufen, um sich über den aktuellen Betriebszustand zu informieren.
Zu bestimmten Zeiten stoßen die Vulkane giftige Gase aus, die bei Windstille über den Ortschaften der Insel hängen bleiben können. In diesem Fall kann das Vulkanologie-Institut den Aufstieg zum Krater untersagen oder sogar die Evakuierung bestimmter Inselbereiche anordnen. Befolgen Sie stets die erteilten Anweisungen; handeln Sie nicht eigenmächtig und begeben Sie sich nicht blindlings in Gelände – oder Situationen –, mit denen Sie nicht vertraut sind.
